Herm ist eine der Kanalinseln und Teil der Gemeinde St. Peter Port in der Bailiwick von Guernsey. Die Insel ist in Nord-Süd-Richtung etwa 2,2 Kilometer lang und in Ost-West-Richtung fast 900 Meter breit. Gerade an Herms Nordküste finden sich einige Sandstrände. Von Herm aus gesehen liegt die Insel Guernsey im Westen und Jersey im Südosten – die noch einmal kleinere Insel Jethou liegt direkt vor Herms Südwestküste.
Die ersten Siedler kamen in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit auf Herm an. Viele Gräber aus dieser Zeit sind heute noch erhalten, die meisten im Norden der Insel. Die Insel wurde 933 dem Herzogtum Normandie angegliedert, und gehört seit 1204 mit der zur englischen Krone.
Herm wurde im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt, aber von den deutschen Truppen weitgehend umgangen. Die Insel wird derzeit von der Herm Island Ltd. geführt, die von Starboard Settlement gegründet wurde, die Herm im Jahr 2008 übernommen hat, nachdem beim Verkauf der Insel befürchtet wurde, dass die „Identität“ der Insel gefährdet sei.

Herms Hafen liegt an der Westküste. In der Nähe befinden sich mehrere bemerkenswerte Gebäude wie das Weiße Haus, die Kapelle St. Tugual, das Fischerhaus, das Pub und Restaurant „The Mermaid“ sowie die kleine Grundschule mit etwa acht Kindern. Während einer betriebsamen Sommersaison besuchen bis zu 100.000 Touristen die Insel und kommen mit einer der Katamaranfähren der Trident Charter Company an. Autos sind auf der Insel ebenso wenig zugelassen wie Fahrräder; einige Quad-Bikes und Traktoren, die für den Personen- bzw. Gepäcktransport verwendet werden, sind hingegen erlaubt.

Die Geschichte der Insel Herm

Menschen gelangten erstmals im Mesolithikum (zwischen 10.000 und 8.000 v. Chr.) auf Herm an – es waren Jäger auf der Suche nach Nahrung. In der Jungsteinzeit und der Bronzezeit kamen Siedler an. Man entdeckte Ruinen von Kammergräbern auf der Insel, die heute noch zu sehen sind, insbesondere am Common, am Petit und am Grand Monceau. Vermutlich war das nördliche Ende der Insel zu jener Zeit als Friedhof vorgesehen. In einem dreijährigen Projekt kamen Spezialisten der Universitäten Durham, Cambridge und Oxford, sowie des Guernsey-Museums zu diesem Ergebnis.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse über die Bewohner Herms stammen aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert, als die Insel zu einem Zentrum klösterlicher Tätigkeit wurde – die Anhänger des Heiligen Tugual (auch Tudwal genannt) kamen auf die Insel und gründeten die Kapelle, die heute den Namen Saint Tugual trägt. Seit einem großen Sturm im Jahr 709 ist Herm von dem benachbarten Jethou getrennt, da der verbindende Landstreifen abgetragen wurde.

Für das 12. Jahrhundert sind einige Eremiten auf Herm in den schriftlichen Überlieferungen jener Zeit erfaßt. Nachdem die vorher zum Herzogtum Normandie gehörigen Kanalinseln ausschließlich an die englische Krone fielen, also 1204, verlor Herm allmählich seine klösterlichen Bewohner. Zwischen 1570 und 1737 nutzten die Gouverneure von Guernsey die Insel Herm als Jagdrevier.

Während der industriellen Revolution im frühen 19. Jahrhundert wurden Straßen, Wege, ein Hafen, Unterkünfte, eine Schmiede, ein Gasthaus, eine Brauerei, eine Bäckerei und ein Gefängnis gebaut, um die nun größere Einwohnerzahl zu versorgen. Die meisten von ihnen waren Steinbrecher, die in neuen Granitsteinbrüchen arbeiteten. Mehrere dieser Steinbrüche sind heute noch zu sehen, wie zum Beispiel der auf dem Common. Als der Fürst und die Fürstin Blücher von Wahlstatt die Insel um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkriegs von der britischen Regierung pachteten, bauten sie eine Züchtung von Rotnackenwallabys (besser bekannt als Bennett-Kängurus) auf der Insel auf, die etwa 60 bis 70 Exemplare zählte.

Die deutsche Besetzung der Kanalinseln während des Zweiten Weltkriegs ging an Herm im Wesentlichen vorüber. Die Insel wurde am 20. Juli 1940 vom Dritten Reich beansprucht, und wenige Wochen nach der Ankunft der deutschen Truppen in Guernsey und Jersey landeten dann auch deutsche Soldaten auf der Insel, um einen Propagandafilm über die – nie erfolgte – Besetzung der Isle of Wight zu drehen. Auch nutzten die Deutschen Herms Sandstrände zur Erprobung einer Invasion Englands mit Hilfe von Lastkähnen. Eine deutsche Flakbatterie wurde für ein paar Wochen auf der Insel stationiert, und Minen wurden in den Gewässer um Herm gelegt. Aber ansonsten sah die Insel wenig von den deutschen Truppen, abgesehen von Offizieren, die Kaninchen schießen wollten.

Die Operation Huckaback war eine britische Militäroperation des Zweiten Weltkriegs, die ursprünglich als Kommandounternehmen auf Herm, Jethou und Brecqhou konzipiert war, aber stattdessen nur als Kommandounternehmen auf Herm in der Nacht vom 27. Februar 1943 nach einem früheren, abgebrochenen Versuch durchgeführt wurde. Zehn Männer der Small Scale Raiding Force und des No. 4 Commando unter Captain Patrick Anthony Porteous VC landeten 200 Meter nordwestlich von Selle Rocque an einem Kieselstrand und unternahmen mehrere erfolglose Versuche, die Klippe vor ihnen zu besteigen. Porteous gelang es schließlich, im Bett eines Baches hinaufzusteigen und die anderen mit einem Seil hochzuziehen. Später berichteten sie, dass sie keine Anzeichen von Inselbewohnern oder Deutschen (die in der Nähe des Hafens untergebracht werden sollten) gefunden hatten. Sie hatten es versäumt, Kontakt mit den wenigen Zivilisten auf der Insel aufzunehmen, zu deren Aufgaben die Betreuung der Schafe zählte.

1949 kauften die States of Guernsey die Insel Herm von der Krone wegen der „unberührten Inselidylle, die Einheimische und Touristen gleichermaßen genießen konnten“, wie es damals hieß. Einer der einflussreichsten Pächter der Insel war Major Peter Wood, der sich von 1949 bis 1980 mit seiner Frau um die Insel kümmerte. Die Insel war bei seiner Ankunft ziemlich heruntergekommen, das Herrenhaus überwuchert; zudem waren die Fenster und Dächer der Häuser von einer explodierenden Seemine weggesprengt worden. Die Woods ließen sich davon nicht entmutigen, gründeten eine Schule und restaurierten die Kapelle St. Tuguals. Major Woods Tochter Pennie Wood Heyworth und ihr Mann Adrian folgten ihnen als Pächter nach. Die Ereignisse der Aufbaujahre hat Peter Woods Frau Jenny in ihrem Buch „Herm, Our Island Home“ beschrieben.

Geographie der Insel Herm

Im Norden der Insel befinden sich zwei Hügel, Le Petit Monceau und Le Grande Monceau. Die Hälfte der Küste des nördlichen Teils der Insel ist von Sandstränden umgeben, die südliche Hälfte ist felsig. Ein Großteil von Herm’s Grundgestein besteht aus Granit.

Vor der Nordwestküste von Herm liegt die Insel Le Plat Houmet, und darüber hinaus die Insel Fondu, die ebenso wie Herm zu Guernsey gehört. In der Belvoir Bay auf der Ostseite der Insel befinden sich die kleinen Inseln Mouliere (vor Frenchman’s Point) und Caquorobert. An der Südostküste der Insel Herm befindet sich die Puffin Bay, die die Inselchen Putrainez nahe der Küste und Selle Rocque etwas weiter draußen enthält. Der äußerste südwestliche Punkt der Insel ist Point Sauzebourge, und die Bishop’s Cove liegt nördlich davon. Nördlich von Bishop’s Cove und südlich vom Hafen und dem White House Hotel befinden sich die Rosiere Steps, mit einem Steinbruch und dem gleichnamigen Haus in der Nähe. Die Riffe Mouette und Percee liegen hier vor der Küste. Hermetier, auch Rat’s Island genannt, liegt etwa 250 Meter vor der Westküste zwischen Fisherman’s Beach und The Bear’s Beach, etwas nördlich des Hafens und mit dem Strand verbunden durch einen niedrigen Damm.

Die Insel Jethou liegt einen reichlichen Kilometer südwestlich von Point Sauzebourge. Möglicherweise existierte bis in das Jahr 709 ein verbindender Landstreifen zwischen Herm und Jethou, bis dieser durch einen schweren Sturm weggespült wurde. Etwa 215 Meter vor der Nordküste von Jethou liegt die Insel Crevichon (etwa 200 mal 170 Meter groß). Im Westen, zwischen Herm und Guernsey, liegt der Kanal Little Roussel (Petit Ruau); zwischen Herm und Sark, im Osten, liegt der Big Roussel (Grand Ruau). Bréhon Tower, eine Festung aus der viktorianischen Zeit, befindet sich im Little Roussel zwischen Herm und Saint Peter Port. Der Turm wurde zwischen 1854 und 1856 von Thomas Charles de Putron (1806-1869) aus Granit, der auf Herm gebrochen wurde, errichtet.

Zur politischen Situation auf Herm

Herm gehört zum Parish St. Peter Port auf Guernsey. Es gehört zum Wahlbezirk St. Peter Port Süd und ist an verschiedene Pächter verpachtet. Im Gegensatz zu den weitgehend autonomen Inseln Sark und Alderney, die auch zu Bailiwick of Guernsey gehören, untersteht Herm vollständig den States of Guernsey.

Autos und Fahrräder sind auf Herm verboten, womit „Frieden und Ruhe“ auf der kleinen Insel erhalten werden sollen. Herm erlaubt nur einige wenige Quadbikes und Traktoren für den Personen- bzw. Gepäcktransport.

Wirtschaft und Dienstleistungen

Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle von Herm. Während einer guten Sommersaison können bis zu 100.000 Touristen die Insel besuchen. Verbunden mit Guernsey wird Herm durch die Katamaranfähren der Trident Charter Company. Die Bewohner der Insel verdienen aber auch mit Gemüseanbau, Viehzucht und dem gelegentlichen Herausgeben von Briefmarken ihr Geld.

Der Polizeidienst auf Herm wird durch drei ehrenamtliche Constabler geleistet, die von der Polizei auf Guernsey ausgebildet wurden und beaufsichtigt werden. An Feiertagen werden sie durch einen Polizisten aus Guernsey unterstützt. Dies genügt vollkommen, da die Kriminalitätsrate auf der Insel sehr niedrig ist.

Es gibt keine medizinischen Einrichtungen auf Herm und ebenso wenig einen niedergelassenen Arzt. Unter der Inselbevölkerung gibt es aber einige Ersthelfer, die regelmäßige Schulungen vom Guernsey Ambulance and Rescue Service erhalten. Krankentransporte ins Krankenhaus in Guernsey erfolgen, falls erforderlich, durch die ebenfalls vom Guernsey Ambulance and Rescue Service unterhaltene „Flying Christine III“.

Auf Herm gibt es auch eine freiwillige Feuerwehr, deren Ausrüstung aus einem traktorgezogenen Feuerwehrwagen mit Schlauchtrommel, Pumpe, 2.000-Liter-Wassertank und einfacher Feuerlöschausrüstung besteht. Damit wird die Brandbekämpfung eingeleitet, bis dann Unterstützung durch die Feuerwehr Guernsey eintrifft, die auch die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr auf Herm schult und unterstützt.

Wichtige Sehenswürdigkeiten auf Herm

Die konfessionslose Kapelle St. Tugual stammt aus dem 11. Jahrhundert, aber es wird angenommen, dass es bereits im 6. Jahrhundert eine Stätte für Gottesdienste auf Herm gab. Ob die Kapelle vom Heiligen Tugual selbst oder zu einem späteren Zeitpunkt von seinen Anhängern gegründet wurde, ist umstritten. Das heutige Gebäude ist normannisch und scheint im Mittelalter ein kleines Kloster gewesen zu sein. Von besonderer Bedeutung sind die Glasfenster, auf denen Noahs Arche, Guernsey-Kühe sowie Jesus, der mit den Fischern im Hafen von Herm spricht, abgebildet wurden. 2010 und 2011 war die Kapelle wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen.

Weitere Gebäude auf der Insel sind das White House (heute ein Hotel), das Pub und Restaurant „The Mermaid“ und 20 Ferienhäuser (Cottages) für Urlauber, die sich selbst versorgen. Die bemerkenswertesten Cottages sind Fisherman’s Cottage, nördlich des Hafens, und Manor Cottage. Es gibt einen kleinen Obelisken im Norden der Insel. Im White House gibt es keine Uhren, Fernseher oder Telefone, was als „Teil seines Charmes“ bezeichnet wird. Dennoch – oder gerade deswegen – kehren 70 Prozent seiner Gäste später zu diesem Hotel für weitere Übernachtungen zurück.

Auf Herm existieren keine geweihten religiösen Gebäude und sind auch keine professionellen Geistlichen ansässig. Dennoch gibt es geistliches Leben. So finden im Winter monatliche Gottesdienste unter der Leitung von örtlichen Laien statt. In den Sommermonaten besuchen Geistliche die Insel, um wöchentlich ökumenische Gottesdienste durchzuführen.

Der Gesamtumfang der Insel beträgt 6,3 km , so daß der Fußweg entlang der Küste etwa zwei Stunden dauert. Wenn man die Straßen bzw. Wege benutzt, beträgt die Strecke etwa 4,5 km und dementsprechend ca. anderthalb Stunden. Vom Hafen aus kann man zu Fuß zu den Rosiere Steps gehen, was etwa sieben Minuten dauert. Der Fußweg vom Hafen zum Shell Beach nimmt etwa 20 Minuten in Anspruch und vom Hafen zur Belvoir Bay benötigt man etwa 15 Minuten.

Bildung und Kultur

Eine Reihe von französischen bzw. normannischen Ortsnamen sind noch erhalten,  und verweisen auf die Zeit, als Herm noch zum Herzogtum Normandie gehörte. Die vom Pächter von Herm veröffentlichte Karte der Insel besagt, dass einige Ortsnamen, einschließlich des Inselnamens selbst, eher unklare Wurzeln haben. Seit einiger Zeit ist eine Anglisierung einiger Namen zu beobachten; zum Beispiel wurde La Pointe du Gentilhomme in „Alderney Point“ geändert. Die Amtssprache auf Herm ist Englisch.

Herm hat eine Grundschule mit etwa acht Schülern, die von einem Lehrer unterrichtet werden, der täglich per Schiff von Guernsey auf die Insel kommt. Kinder über elf Jahren werden auf Guernsey unterrichtet, meist als Internatsschüler.

Den Wettbewerb Britain in Bloom konnte Herm in einigen Kategorien mehrfach für sich entscheiden: In den Jahren 2002, 2008 und 2012 gewann Herm den Britain in Bloom Gold Award.

Die Insel Herm und ihre Geschichte sind in einer Reihe von literarischen Werken dargestellt: Der Autor Compton Mackenzie, der 1920-23 der Inselpächter war, erwähnte sie im 1926 erschienenen Fairy Gold, auch wenn es sich um eine fiktionale Darstellung handelt. Jenny Wood, die Frau des Pächters Major Peter Wood, veröffentlichte 1986 ihre Memoiren. Die Geschichte der Insel wird in Hidden Treasures of Herm Island von Catherine Kalamis erzählt. Und 2018 erschien Paul Shermans Where Seagulls Dare – eine Sammlung von Kurzgeschichten, die auf der Insel spielt.

Der nördliche Teil der Insel wurde 2016 durch die Ramsar-Konvention als ein Gebiet von internationaler ökologischer Bedeutung anerkannt.